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Zusammenfassung:
Eine höchst interessante Übersicht über Wesen und Zustandekommen des immunologischen
Gedächnissen, soweit dies aufgrund des heutigen Kenntnisstandes beschreibbar und plausibel ist.
Zunächst aber eine (etwas anstrengende) Lektion über die grundlegenden Immunmechanismen
und die komplexen Prozesse, welche zur Entwicklung einer nachhaltigen immunologischen Kompetenz befähigen.
Anschliessend wird ausführlich diskutiert, was die wahre Natur des immunologischen Gedächtnisses ausmache
und welche Ungleichgewichte des Erreger-Wirtsverhältnisses zu einem schädigende Verlauf einer akuten
Infektion einerseits und zur Auslösung von autoaggressiven Krankheiten andreseits führen könnten.
Die zentrale Frage "Is immunity (i.e., immune protection) by immunological
effector T cells and neutralizing antibodies antigen independent, or is it dependent
on persistence by antigen, as the evidence reviewed here strongly suggests?" kann Zinkernagel aber
nicht abschliessend beantworten.
Zu den Ansprüchen, welche an Strategien und Techniken zur Kontrolle der immunologischen Balance,
wie Impfkonzepte, zu stellen sind, sei hier aus den Schlussfolgerungen zitiert:
"Immunity is about protection against infection within an evolutionary
context. This is particularly important during the early phases of life, because the
immune system of vertebrates is immature at birth ... .
Successful vaccines have been those that can imitate the generation
of neutralizing or opsonizing antibody responses that seem to be the only limiting
factor against acutely cytopathic agents. In contrast, cell-mediated immunity
against infections that persist in the host is much more difficult to imitate. This is
largely because the balance between attenuation on one side, and persistence of the
infection to provide constant stimulation of protective effector T cell responses on
the other, so far has not been achieved with vaccines to a level of perfection similar
to the coevolved balance between host and infectious agents. Similar problems
are posed by classical parasites, which in their coevolution over time have come
to innumerable sophisticated balances with their hosts that will be considerably
more difficult to imitate, or beat, even compared to TB, leprosy, or HIV. But the
aim should be - and must be - to develop strategies that aim at exactly that perfection
of low-level persisting infectious agents exemplified by TB, HIV, HCV,
HBV, many herpesviruses, and most classical parasites. Although this will not be
easy (witness the limited effects of BCG vaccines), the development of persistent
genetic vaccines, including persistent recombinant infectious agents, may bring us
closer to such a goal."
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Anmerkung:
Man könnte die Entwicklung der immunologische Kompetenz des Menschen als biologisches Korrelat
seiner heranwachsenden Ich-Struktur bezeichnen. Reifung durch wiederkehrende Auseinandersetzung
mit angemessenem Widerstand und Infragestellung einerseits, und krankhafte Entgleisung durch
Unter- oder Überforderung bzw schlechtes Timing andererseits, scheinen in beiden Bereichen
von zentraler Bedeutung. Grundlegendste Weichenstellungen geschehen im Verlaufe des ersten
Lebensjahres.
Impfungen sind der Versuch, einer potentiellen Überforderung duch attenuierte Antigenreize
zuvorzukommen. Zinkernagel weist darauf hin, dass dieser Versuch mit heutigen Impfstoffen nur
sehr partiell und auf Dauer bisher zuwenig effizient gelingt. Das höchst komplexe Erreger-
Wirtsverhältnis, das balancierte Funktionieren des Immunsystems der menschlichen Spezies hat
sich über lange Zeiträume hinweg entwickelt - es mit künstlichen und fragmentarischen
Mitteln
optimierend weiterzuentwickeln scheint extrem anspruchsvoll und wohl auch riskant, jedenfalls
wenn man Zeitspannen von mehr als ein bis zwei Generationen ins Auge fasst.
30.10.2003, Peter Klein
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