www.impfo.ch
Arbeitsgruppe für differenzierte Impfungen
Hinweise für die Gestaltung eines individuellen Impfplanes
Stand der Kenntnis und des Irrtums Januar 2009 (Ergänzungen grün)
vgl. auch den offiziellen Impfplan des BAG Stand September 2008 www.sichimpfen.ch

 
Aus eher skeptisch zurückhaltender Perspektive geben wir hier in knapper Form praktische Anhaltspunkte
zum individuellen Entscheidungsspielraum.


  "Die Wissenschaft hat schon recht in dem was sie sagt - aber sie hat Unrecht in dem was sie verschweigt"
    C. F. von Weizsäcker, Philosoph, Physiker

 
Die einzelnen Impfungen:

Diphterie, Tetanus: Grundimmunisierung ab dem Krabbelalter. Di- und Te-Impfung I und II im Abstand von 1 bis 2 Monaten. Impfung III 6 (-12) Mte. nach II, Auffrischung mit 6 bis 8 Jahren, dann alle 10 Jahre.
      Hinweis: wer sein Kind nur gegen Di+Te oder Di+Te+Polio impfen will, findet keinen Impfstoff, der offiziell bezüglich Di
      genügend hoch dosiert wäre. Es gibt aber Hinweise, dass die dreimalige Impfung mit den verfügbaren Zwei- und Dreifachimpfstoffen,
      eine zwar nicht anerkannte aber wahrscheinlich genügende DiphterieImmunität erzeugen kann.
      Um sicher zu gehen, kann der Diphterie-Antikörperspiegel 1 Monat nach der dritten Impfdosis bestimmt werden.

Polio: nur mit inaktiviertem Impfstoff IPV, wird gespritzt. Einzelimpfung im 2./3. Lebensjahr oder Kombination mit Di und TE (Intervalle wie TE).
Pertussis azellulär: eher ausnahmsweise, anfangs 3. Lebensmonat (zB bei Kinderkrippe im ersten Lebensjahr): 3 Impfungen im Abstand von je 1-2 Mten., dann mit 15 bis 20 Mt; kein Pa-Einzelimpfstoff verfügbar! nur zusammen mit Di und Te und IPV und ev HiB. Erkenntnisse über Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Pa-Impfstoffe sind unsicher.
Hämophilus-influenzae-B: ev. ab 3. Lebensmonat (zB bei Kinderkrippe im 1. LJ). 3 Impfungen im Abstand von je 2 Mten. (bei Beginn 4 Mte. genügen 2), danach mit 15 bis 20 Mten. HiB-Einzelimpfstoff (Hiberix®) oder zusammen mit Di,Te, Pa, IPV. Erkenntnisse über Nebenwirkungen unsicher, Schutz gegen HiB-Hirnhaut- und Kehlkopfentzündung ist gut.
Pneumokokken: neu optional als sog. "ergänzende Impfung" vom BAG angeboten, Begründung ähnlich wie HiB. Drei Impfungen mit 2, 4 und 12 Monaten als separate Einzelimpfung. Schutzwirkung gegen Hirnhautentzündung etwa in 60% der Fälle.
Hepatitis-B HBV: Säuglinge mit HBV-Virusträger im Haushalt, Jugendliche / junge Erwachsene mit Risikoverhalten wie Drogen spritzen oder häufig wechseln den Sexualpartnern: 3 Impfungen Abstand 1 und 6 Mte. (Übertragung durch Blut zu Blut Kontakt, Sexual- verkehr). Wirksame Prophylaxe ist durch richtiges Verhalten möglich. Erkenntnisse über die Nebenwirkungen sind sehr kontrovers.
Hepatitis-A HAV: allenfalls bei Reisen unter schlechten hygienischen Bedingungen, vorallem in südliche Länder (Havrix®), eine Impfung genügt vermutlich. Gutartige Erkrankung.

Masern: mit 10 - 12 (14) Jahren, falls das Kind die Masern noch nicht durchgemacht hat (Masern ist bei Adoleszenten erheblich riskanter als im Kindesalter). Im Zweifelsfall Antikörpertest. M-Einzelimpfst. zeitweise nicht verfügbar. Erkenntnisse über Langzeitnebenwirkungen sind lückenhaft und widersprüchlich.
Röteln: Mädchen, mit 12 - 14 Jahren, falls das Kind die Röteln noch nicht durchgemacht hat (Röteln in Früh-Schwangerschaft kann werdendes Kind schädigen). Im Zweifelsfall Antikörpertest! Kein R-Einzelimpfst. verfügbar!
Mumps: v.a. Knaben, eher ausnahmsweise, mit 12 - 14 J. falls Kind den Mumps noch nicht durchgemacht hat. Im Zweifelsfall Antikörpertest.
      Der MMR-Impfschutz gilt offiziell neuerdings erst nach 2 Impfungen gewährleistet (mindestens 1 Mt Abstand).
      Die Impfschutzdauer ist ungewiss, eine verlässliche Auffrischung ist mit den z.Zt. verfügbaren Lebend-Impfstoffen nicht möglich.
      Es ist unklar, wie langfristig die die Immunität vorallem gegen Masern in der Bevölkerung aufrechterhalten werden kann.
      Gegen Röteln und Mumps kann z.Zt. nur noch mit dem Dreifachimpstoff MMR geimpft werden!

Windpocken (Varizellen): nur Kinder mit ganz speziellen Risiken oder allenfalls nicht immune Junge Erwachsene. Die generelle Impfung aller Kinder wird in Deutschland propagiert und ist sehr umstritten.
Zeckenencephalitis FSME:eventuell, bei regelmässigem Aufenthalt in den eng umschriebenen, verseuchten Waldgebieten (frühestens ab 6 J).
HPV-Impfung propagiert als " Gebährmutterhalskrebs-Impfung": vom BAG empfohlen für alle 11-15 jährigen Mädchen; 3 Impfungen (0, 1-2, 6 Monate). Der Nachweis, dass die Impfung Krebs verhindern kann, ist nicht erbracht. Die Impfung muss vorläufig als überflüssig bezeichnet werden. Krebsabstriche alle 3 bis 5 Jahre sind verlässliche Vorbeugung.

Allgemeine Hinweise:

Besondere Vorsicht: bei allergischer Veranlagung, Neurodermitis, Krankheiten des Nervensystems, Anfallsleiden (Pa), Immunschwäche und auffälliger Reaktion auf eine vorangehende Impfung. Für volles Stillen 6 Monate und Impfen erst ab Laufalter gibt es ganz besonders in allergiebelasteten Familien gute Gründe.
Aufschieben der Impfung: bei Fieber, Schub einer chronischen Krankheit oder eines Ekzems, eventuell auch in Zeiten von aussergewöhnlicher Belastung. Die im offiziellen Impfplan vorgegebenen Impfabstände sind Richtgrössen: sie dürfen und sollen im Bedarfsfall angepasst werden. (relativ ungünstig ist einzig, wenn der Abstand zwischen den ersten zwei Impfungen der Grundimmunisierung gegen Di, Te, Pa, HiB oder HBV weit über 2 Monate beträgt).
Impfstoffzusätze: Neue Einzelimpfstoffe sind oft konservierungsmittelfrei (in der Schweiz zB. HiB, Te, IPV und Di-Te), wie ohnehin alle Lebendimpfstoffe (M, M, R, Varizellen). Thiomersal ist heute weitgehend eliminiert. Antibiotikaspuren, Hühner-Eiweisspuren, Formol etc sind Zusätze, welche vorallem allergische Reaktionen auslösen können, Aluminiumverbindungen ausserdem neurologische Störungen. Um eine Kumulation der Zusätze zu vermeiden, sind deshalb eher Kombinationen bei den Totimpfstoffen zu bevorzugen, als jede Impfung einzeln zu geben. Allerdings ist nicht geklärt, ob oder wann kombinierte Impfstoffe, welche das Immunsystem stärker als Einzelimpfungen fordern, tendenziell eine Ueberforderung sind.
Impfreaktionen: die erwünschte Immunreaktion, welche normalerweise von mehr oder weniger deutlichen Symptomen begleitet sein kann, kommt bei den Totimpf-stoffen sofort, bei den Lebendinmpfstoffen erst nach etwa einer Woche in Gang.
Unerwünschte Impfwirkungen: kurzfristige (erste Wochen) sind relativ gut untersucht und im Beipackzettel beschrieben. Über langfristige Impffolgen gibt es eine heftige Kontroverse, weil der Kenntnisstand darüber sehr unbefriedigend ist. Informieren Sie sich vor der Impfung über mögliche Nebenwirkungen! Melden Sie Ihrem Arzt nach Art oder Intensität ungewöhnlich Reaktionen auf die Impfung (allenfalls auch an die Arzneibehörde swissmedic: vigilance@swissmedic.ch)

Das Gespräch mit dem impfenden Arzt kann nicht durch Merkblätter und Ratgeber ersetzt werden. Überlegen Sie sich vor dem Arztbesuch ihre wichtigsten Fragen: gute Fragen zu stellen ist die halbe Klärung! Ausserdem kann Ihnen Ihr Arzt nicht beliebig Zeit zur Verfügung stellen.

Weiterführende, unabhängige Information:
SKS Ratgeber "Impfen: Grundlagen für einen persönlichen Impfentscheid". Broschüre, ca 64 Seiten, Fr. 12.-
Zu beziehen bei: Stiftung für Konsumentenschutz, Postfach, CH-3000 Bern 23
Internet: www.impfo.ch (hier auch allfällige Aktualisierungen)                                                                                         Merkblatt hier als pdf
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